Samstag, 24. Juli 2010

Diagnose Sudeck

Momentan bin ich sehr in meiner Krankheitswelt gefangen. Am Mittwoch war ich bei einer 3-Phasen-Szintigrafie, die als sicherstes Diagnosemittel für einen Morbus Sudeck bzw. das CRPS (Komplexes regionales Schmerzsyndrom bzw. complex regional pain syndrom) gilt.

Sie hat das bestätigt, was ich befürchtet habe: ich habe ihn. Und habe erst mal losgeheult, obwohl ich damit gerechnet habe. Die Horrorstories über den Sudeck sprechen für sich: oft ein lebenslanges Leiden. Aber jeder Sudeck ist anders, ich denke auch nicht, dass ich bereits im 2. Stadium bin, wie sowohl in der Klinik als auch in der radiologischen Klinik vermutet wurde. Für das 2. Stadium spricht die Knochenentkalkung, für das erste die trophischen Störungen (Haarwuchs, Erwärmung und Schwellung der Haut). Positiv: keine Schmerzen. Oft ist diese Krankheit ja mit unerträglichen Schmerzen verbunden, die eine Therapie sehr erschweren. Da ich meine Ibuprofen 600 abgesetzt habe seit einer Woche, weiß ich auch, dass ich keine Schmerzen habe. Das Karil Nasenspray ist zwar auch schmerzstillend, aber regelt hauptsächlich den Kalziumhaushalt in den Knochen. An Kalziummangel kann ich eigentlich nicht leiden, ich bin ein Joghurt-Freak. Die Szinti hat auch eine Osteoporose ausgeschlossen.

Diese Woche war sehr anstrengend, jeden Tag entweder Lymphdrainage oder Krankengymnastik, dazu der halbe Tag in der Radiologie. Und alles muss ich nacharbeiten. Im letzten Jahr ging mein Urlaub fürs Lernen drauf, in diesem Jahr fürs Therapieren.

Ich hoffe, dass ich zu den leichten Fällen gehöre, die innerhalb eines Jahres komplett ausheilen. Den ganzen Tag knete ich meinen kleinen Handtrainer-Ball und strecke und beuge die Finger. Eine Faust kriege ich noch nicht hin, aber ich komme nah ran. Allerdings steift es sofort wieder ein, nach einer Stunde kriege ich es erst wieder nach fünf-, sechsmal hin.

Eine Schiene habe ich zu meiner eigenen Sicherheit, ist wohl mehr eine psychologische Sache, wirklich brauche ich sie nicht. Heute nacht habe ich erstmals ohne geschlafen und auch heute versucht, die Hand normal zu gebrauchen. Auf dem Laptop hier gelingt es mir schon ganz gut, ich schreibe mit 10 Fingern, auch eine Art Therapie. Das Handgelenk ist sehr steif, ich brauche dringend mehr Physiotherapie. Aber es wird noch mehr kommen, am Donnerstag bin ich in der Uniklinik in der Schmerzambulanz. Obwohl ich keine habe und hoffentlich nie kriegen werde. Aber die sind Experten für den Sudeck und wissen, was zu tun ist, die Hand so weit wieder herzustellen, dass sie wieder normal zu gebrauchen ist.

Die Lymphdrainagen tun mir sehr gut, nach den 60 Minuten sieht meine linke Hand fast genauso aus wie die rechte.

Ich will bis Weihnachten wieder absolut fit sein und es soll kein Kraftakt mehr sein, meine Autotür mit links zu schließen (ja, Autofahren geht - zwar werde ich keine langen Strecken fahren, aber es ist eine große Erleichterung, mal wieder zum Einkaufen fahren zu können und auch abends so lange in der Arbeit bleiben zu können, wie man will - bzw. kann, weil die Krankengymnastin wartet...)

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