... sie sind alle weg, die Leute, die mir in meiner Kindheit etwas bedeuteten. Mit meinem Vater starb vor knapp zwei Wochen der letzte aus dieser Gruppe. Natürlich werde ich mich weiterhin an früher erinnern, mit Wehmut, mit Liebe und manchmal auch mit Zorn. Aber leider ist niemand mehr da, mit dem man darüber reden kann. Der weiß, was gemeint ist. Der einem auch mal einen Stups in die andere Richtung geben kann und sagt: "Moment mal, so war das damals nicht ...". Und wie immer, wenn jemand stirbt, bleiben offene Fragen zurück, Fragen, die nur der Verstorbene beantworten kann.
Am meisten aber überwiegt das Gefühl, auch wenn es objektiv nicht richtig ist, dass man plötzlich ganz allein ist. Ich bin ja kein Kind mehr, und in meinem Alter sterben nun mal Eltern so ganz langsam.
Ich denke, trotz aller Zweifel, dass mein Vater bis zuletzt an eine Art Genesung glaubte, dazu habe ich einfach zuviele Selbstheilungs-, Geistheilungs-, Wunsch- und Hoffnungsbücher bei ihm gefunden. Das liest niemand, der nicht dran glaubt. Eine Ahnung, dass es zu Ende gehen könnte, war zwar vorhanden, aber grundsätzlich war er hoffnungsvoll. Auch das konstante Verweigern von Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht beweist das.
Letzten Endes musste er sich seiner Krankheit geschlagen geben. Hätte er nicht weiter Kette geraucht, wäre sein Leben vielleicht verlängert worden. Dieses Risiko ist er voll eingegangen.
Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen, in einem anderen Leben, einer anderen Dimension - irgendwann, nicht so bald, frühestens in 35, 40 Jahren. Er glaubte daran, und wer kann sich schon komplett von diesem Glauben ausnehmen? Irgendetwas muss doch bleiben - und das Glück, das einem in dem einen Leben versagt blieb, kommt vielleicht im nächsten. Ich wünsche es dir so sehr, Papa!
Dienstag, 14. Februar 2012
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