Freitag, 29. Juli 2011

Von Schlagersängern, Weggefährten und kleinen Prinzen

Roy Black ist mittlerweile fast 20 Jahre tot – unglaublich. Wie liebte ich seine samtige Stimme, auch wenn sein „Ganz in Weiß“ fast unerträglich kitschig war. Aber welch ein Klassiker das doch geworden ist, auf jeder Hochzeit wird es gespielt. Roy Black soll ja Zeit seines Lebens mit seinen Liedern sehr unglücklich gewesen sein – ob’s stimmt, wer weiß das schon. Angeblich habe ihn das depressiv und alkoholsüchtig gemacht. Ich glaube das nicht wirklich – aber, was ich glaube, ist auch nicht so wichtig. Es geht mir auch nicht um Roy Black. Ich weiß noch, dass meine Kollegin, die damals in meinem heutigen Alter war, ins Büro kam und sagte: „Stellen Sie sich vor, der Roy Black ist tot.“ Ja, das war schon ein Schock, aber eine Träne war es mir dann doch nicht wert.

Dann Rex Gildo, der Mann, der sein wahres Ich jahrzehntelang vor seinen Fans verbergen musste, bzw. glaubte, es zu müssen. Sehr tragisch, sein Tod, aber irgendwie hatte er auch etwas Surreales, und so habe ich auch nicht geweint.

Freddy Breck. Starb auch viel zu früh. Den mochte ich eigentlich nicht sonderlich, meine Mutter liebte ihn! Als er starb, schluckte ich dann doch einmal. Es war zu früh.

Dann Erik Silvester. Okay, der hatte ein paar Hits, aber keine wirklich großen. Klar, man kannte ihn. Tat mir auch sehr leid.

Und jetzt er – der Junge mit der Mundharmonika. Bernd Clüver, der Mann mit der ewig gleichen Frisur, immer eine Schönheitskönigin an seiner Seite, langweilige Rhythmen, schwülstige Texte. Er war einer der Schlagerfiguren der 70er, die ich gar nicht gern hörte. Er wirkte so brav und so langweilig, aber er schien ein Faible für schöne Frauen zu haben. Er kam bei mir direkt in die Schublade „Oberflächlich“.

Es war ruhig um ihn geworden (na ja, um welchen Schlagersänger eigentlich nicht). Älter. Immer noch die gleiche Frisur, etwas dicker. Die letzte Miss, die er geheiratet hat, blieb ihm treu, die beiden waren lange verheiratet. Vielleicht doch nicht oberflächlich? Mit schönen Menschen umgibt sich ja grundsätzlich jeder gern. Er lebte auf Mallorca – auch so ein Statussymbol deutscher Stars. Wer was auf sich hält, lebt auf Mallorca. Andererseits: wer es sich leisten kann, warum nicht?

Am 28.07.2011 die Todesmeldung – mit 63, ganz plötzlich, ein Unfall. Und mir traten die Tränen in die Augen (was bei keinem der anderen vorgenannten passiert ist). Offensichtlich stand er mir näher als die anderen. Oder doch nicht? Vielleicht war er normaler als andere – ja, ganz sicher sogar. Oder mochte ich ihn vielleicht doch mehr, als ich glaubte? Hm. Ich glaube ganz einfach, dass er ein Weggefährte von mir war, ohne ihm jemals begegnet zu sein. Er war ein Held meiner Jugend, ohne wirklich einer zu sein. Ich habe unzählige Artikel in der Bravo über ihn gelesen, habe seine vielen Romanzen verfolgt und ihn irgendwie „angenommen“, ohne es zu wissen, ohne es zu wollen.

Roy Black und Freddy Breck waren eher etwas für meine Mutter. Rex Gildo war zu schräg, und obwohl man es nicht wusste, ahnte man, dass er anders war als die anderen und ein Leben zur Schau stellte, das er nicht führte. Und Erik Silvester war zu unauffällig. Bernd Clüver aber war ein Weggefährte. Irgendwann hatten sich zwar unsere Wege getrennt, aber die Erinnerung blieb. Tja, nun begrabe ich ihn an der letzten Weggabelung, irgendwo in den 80er Jahren, als ich ihn das letzte Mal wirklich zur Kenntnis nahm. Und hoffe, dass das Tor zum Garten der Träume ganz weit auf ist für ihn, und der kleine Prinz sich mit Mundharmonikaklängen ein Stück von seinem Himmel zurückholen kann. Ruhe in Frieden.