Roy Black ist mittlerweile fast 20 Jahre tot – unglaublich. Wie liebte ich seine samtige Stimme, auch wenn sein „Ganz in Weiß“ fast unerträglich kitschig war. Aber welch ein Klassiker das doch geworden ist, auf jeder Hochzeit wird es gespielt. Roy Black soll ja Zeit seines Lebens mit seinen Liedern sehr unglücklich gewesen sein – ob’s stimmt, wer weiß das schon. Angeblich habe ihn das depressiv und alkoholsüchtig gemacht. Ich glaube das nicht wirklich – aber, was ich glaube, ist auch nicht so wichtig. Es geht mir auch nicht um Roy Black. Ich weiß noch, dass meine Kollegin, die damals in meinem heutigen Alter war, ins Büro kam und sagte: „Stellen Sie sich vor, der Roy Black ist tot.“ Ja, das war schon ein Schock, aber eine Träne war es mir dann doch nicht wert.
Dann Rex Gildo, der Mann, der sein wahres Ich jahrzehntelang vor seinen Fans verbergen musste, bzw. glaubte, es zu müssen. Sehr tragisch, sein Tod, aber irgendwie hatte er auch etwas Surreales, und so habe ich auch nicht geweint.
Freddy Breck. Starb auch viel zu früh. Den mochte ich eigentlich nicht sonderlich, meine Mutter liebte ihn! Als er starb, schluckte ich dann doch einmal. Es war zu früh.
Dann Erik Silvester. Okay, der hatte ein paar Hits, aber keine wirklich großen. Klar, man kannte ihn. Tat mir auch sehr leid.
Und jetzt er – der Junge mit der Mundharmonika. Bernd Clüver, der Mann mit der ewig gleichen Frisur, immer eine Schönheitskönigin an seiner Seite, langweilige Rhythmen, schwülstige Texte. Er war einer der Schlagerfiguren der 70er, die ich gar nicht gern hörte. Er wirkte so brav und so langweilig, aber er schien ein Faible für schöne Frauen zu haben. Er kam bei mir direkt in die Schublade „Oberflächlich“.
Es war ruhig um ihn geworden (na ja, um welchen Schlagersänger eigentlich nicht). Älter. Immer noch die gleiche Frisur, etwas dicker. Die letzte Miss, die er geheiratet hat, blieb ihm treu, die beiden waren lange verheiratet. Vielleicht doch nicht oberflächlich? Mit schönen Menschen umgibt sich ja grundsätzlich jeder gern. Er lebte auf Mallorca – auch so ein Statussymbol deutscher Stars. Wer was auf sich hält, lebt auf Mallorca. Andererseits: wer es sich leisten kann, warum nicht?
Am 28.07.2011 die Todesmeldung – mit 63, ganz plötzlich, ein Unfall. Und mir traten die Tränen in die Augen (was bei keinem der anderen vorgenannten passiert ist). Offensichtlich stand er mir näher als die anderen. Oder doch nicht? Vielleicht war er normaler als andere – ja, ganz sicher sogar. Oder mochte ich ihn vielleicht doch mehr, als ich glaubte? Hm. Ich glaube ganz einfach, dass er ein Weggefährte von mir war, ohne ihm jemals begegnet zu sein. Er war ein Held meiner Jugend, ohne wirklich einer zu sein. Ich habe unzählige Artikel in der Bravo über ihn gelesen, habe seine vielen Romanzen verfolgt und ihn irgendwie „angenommen“, ohne es zu wissen, ohne es zu wollen.
Roy Black und Freddy Breck waren eher etwas für meine Mutter. Rex Gildo war zu schräg, und obwohl man es nicht wusste, ahnte man, dass er anders war als die anderen und ein Leben zur Schau stellte, das er nicht führte. Und Erik Silvester war zu unauffällig. Bernd Clüver aber war ein Weggefährte. Irgendwann hatten sich zwar unsere Wege getrennt, aber die Erinnerung blieb. Tja, nun begrabe ich ihn an der letzten Weggabelung, irgendwo in den 80er Jahren, als ich ihn das letzte Mal wirklich zur Kenntnis nahm. Und hoffe, dass das Tor zum Garten der Träume ganz weit auf ist für ihn, und der kleine Prinz sich mit Mundharmonikaklängen ein Stück von seinem Himmel zurückholen kann. Ruhe in Frieden.
Freitag, 29. Juli 2011
Montag, 4. April 2011
Mein Vater ...
... kam in meinem Leben immer etwas zu kurz. Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich 5 Jahre alt war, und er war der "Böse". Ein Mann, der meiner Mutter wehgetan hat und sich nicht um mich und meine Schwester kümmerte. Obwohl er eigentlich immer sehr lieb zu mir war.
Erst später erkannte ich, dass die Dinge oftmals nichts so sind, wie sie scheinen. Und mein Vater keinesfalls der Böse war, im Gegenteil.
Richtig kennen gelernt haben wir uns nie. Dazu lebten wir zu weit entfernt. Er zog damals wieder nach Hause zu seinen Eltern und blieb bis heute in seinem Elternhaus. Also weit über 40 Jahre. Das Leben hat ihm nichts geschenkt, trotzdem wirkte er meist heiter, erst im Alter kam eine Depression. Kein Wunder - er war immer allein. Früher rief er mich regelmäßig an, vor etwa fünf Jahren hörte das komplett auf. Ab da meldete ich mich immer mal wieder bei ihm, oft vergingen Wochen.
Vor über zwei Jahren wurde er am Herzen operiert, sein altes Leiden, er bekam eine neue Herzklappe. Alles verlief offenbar gut. Oder doch nicht ... Seit etwa eineinhalb Jahren ist mein Vater Stammgast im Krankenhaus. Seit ein paar Monaten kommt er alle paar Wochen dorthin. So richtig konnte mir niemand sagen, was er eigentlich hat. Und so richtig ernst habe ich das auch nie genommen.
Seine Finanzen hatte er nicht im Griff. Ständig ein überzogenes Konto, Mahnungen, Gewinnspiele. Ich solle doch bitte kommen und ihm helfen, diese zu ordnen. Ja, ich komme - wenn ich Urlaub habe, wenn mein Arm geheilt ist, wenn der Winter vorbei ist.
Ostern sollte es soweit sein. Dann sollte er eventuell auch ins Heim kommen, die Nachbarn sagten schon, dass er nicht mehr allein bleiben könne. Sauerstoffpatient war er mittlerweile. Am Telefon konnte man ihn kaum noch verstehen, nach ein paar Metern war er jedesmal so erschöpft, dass er am liebsten geweint hätte. Ich habe es immer noch nicht verstanden.
Gestern rief er an, meinte, er brauche sofort Hilfe. Seine Nachbarn schafften ihn ins Krankenhaus. Ich dachte, okay, vielleicht behalten sie ihn diesmal etwas länger. Dann würden wir uns Ostern etwas einfallen lassen. Ich schrieb zwei Pflegeheime an.
Heute hat man meinen Vater ins künstliche Koma versetzt, er wird beatmet. Er liegt auf der Intensivstation, die Lage sei äußerst kritisch. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es wieder werde, aber er würde vermutlich ein Pflegefall sein. Ob er das wolle? Wir sollten uns Ende der Woche darüber unterhalten, was er wohl gewollt hätte. Und es wäre möglich, dass er es nicht schafft.
Ich fasse das alles nicht. Und ich werde diese Woche zu ihm fahren - aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich hoffe, ich kann mich - sollte es tatsächlich zum schlimmsten kommen - von ihm verabschieden und ihm ein letztes gutes Gefühl geben, dass er nicht allein ist und ich ihn lieb habe. Aber ich hoffe trotzdem, dass er es schafft.
Das ist ein verdammt trauriger Blog. Nichts mit TV. Das ist das traurige Leben. Mein Vater hatte etwas besseres verdient.
Erst später erkannte ich, dass die Dinge oftmals nichts so sind, wie sie scheinen. Und mein Vater keinesfalls der Böse war, im Gegenteil.
Richtig kennen gelernt haben wir uns nie. Dazu lebten wir zu weit entfernt. Er zog damals wieder nach Hause zu seinen Eltern und blieb bis heute in seinem Elternhaus. Also weit über 40 Jahre. Das Leben hat ihm nichts geschenkt, trotzdem wirkte er meist heiter, erst im Alter kam eine Depression. Kein Wunder - er war immer allein. Früher rief er mich regelmäßig an, vor etwa fünf Jahren hörte das komplett auf. Ab da meldete ich mich immer mal wieder bei ihm, oft vergingen Wochen.
Vor über zwei Jahren wurde er am Herzen operiert, sein altes Leiden, er bekam eine neue Herzklappe. Alles verlief offenbar gut. Oder doch nicht ... Seit etwa eineinhalb Jahren ist mein Vater Stammgast im Krankenhaus. Seit ein paar Monaten kommt er alle paar Wochen dorthin. So richtig konnte mir niemand sagen, was er eigentlich hat. Und so richtig ernst habe ich das auch nie genommen.
Seine Finanzen hatte er nicht im Griff. Ständig ein überzogenes Konto, Mahnungen, Gewinnspiele. Ich solle doch bitte kommen und ihm helfen, diese zu ordnen. Ja, ich komme - wenn ich Urlaub habe, wenn mein Arm geheilt ist, wenn der Winter vorbei ist.
Ostern sollte es soweit sein. Dann sollte er eventuell auch ins Heim kommen, die Nachbarn sagten schon, dass er nicht mehr allein bleiben könne. Sauerstoffpatient war er mittlerweile. Am Telefon konnte man ihn kaum noch verstehen, nach ein paar Metern war er jedesmal so erschöpft, dass er am liebsten geweint hätte. Ich habe es immer noch nicht verstanden.
Gestern rief er an, meinte, er brauche sofort Hilfe. Seine Nachbarn schafften ihn ins Krankenhaus. Ich dachte, okay, vielleicht behalten sie ihn diesmal etwas länger. Dann würden wir uns Ostern etwas einfallen lassen. Ich schrieb zwei Pflegeheime an.
Heute hat man meinen Vater ins künstliche Koma versetzt, er wird beatmet. Er liegt auf der Intensivstation, die Lage sei äußerst kritisch. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es wieder werde, aber er würde vermutlich ein Pflegefall sein. Ob er das wolle? Wir sollten uns Ende der Woche darüber unterhalten, was er wohl gewollt hätte. Und es wäre möglich, dass er es nicht schafft.
Ich fasse das alles nicht. Und ich werde diese Woche zu ihm fahren - aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich hoffe, ich kann mich - sollte es tatsächlich zum schlimmsten kommen - von ihm verabschieden und ihm ein letztes gutes Gefühl geben, dass er nicht allein ist und ich ihn lieb habe. Aber ich hoffe trotzdem, dass er es schafft.
Das ist ein verdammt trauriger Blog. Nichts mit TV. Das ist das traurige Leben. Mein Vater hatte etwas besseres verdient.
Samstag, 5. März 2011
10 Jahre
Heute vor 10 Jahren lebte meine Mutter noch. Am 6. März ist sie gestorben, und noch heute frage ich mich, wie. Wir haben es nie erfahren. Ihr Freund ist keine verläßliche Informationsquelle gewesen, und wir haben uns immer gefragt, ob er ihr überhaupt geholfen hat, als sie starb. Thomas wollte sie immer obduzieren lassen, aber was hätte es gebracht? Trotzdem denke ich manchmal, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wir hätten dann Bescheid gewußt. Denn dass ihr Freund ihr nicht gut getan hat, weiß ich heute, darüber hinaus hat er uns irgendwo noch um "unser Erbe" (so klein es auch gewesen wäre, ohnehin nur Geschirr oder Möbel) gebracht hat. Nichts ist geblieben, nicht mal eine Kaffeetasse. Nur Fotos.
Ich war im Kino, als es passiert sein muss. Mit zwei Kolleginnen sah ich mir "Was Frauen wollen" an. Seitdem kann ich Mel Gibson nicht mehr sehen. Übrigens war meine Schwester zeitgleich im selben Film - was wir damals noch nicht wußten. Es gibt merkwürdige Zufälle.
Erst zwei Tage später, am 8. März habe ich von ihrem Tod erfahren. Mein Vater - manchmal sensibel wie ein Holzhammer - sprach mir auf den AB und informierte mich über ihren Tod. Es war irgendwo gegen 17.30 Uhr. Das war bis dahin der größte Schock meines Lebens. Wir haben uns damals nicht gut verstanden, lange Zeit nicht miteinander gesprochen. Ich habe ihr so viel übel genommen - sicher auch zu Recht, darum geht es auch nicht. Aber ihr Tod war das schlimmste für mich. Und niemals mehr die Chance, etwas aufzuarbeiten.
Ich habe es dann meinem Bruder Thomas gesagt, der auch nicht informiert war. Wir beide hatten uns so ein wenig auseinander gelebt, wenn man das von Geschwistern sagen konnte. Er lebte seines, ich mein Leben. Wir waren sehr verschieden, aber wir liebten uns immer und kamen uns durch Mamas Tod wieder näher. Für Martin, unseren Jüngsten, war es am schwersten. Er war schon ein paar Jahre im Heim und hatte keine direkte Bezugsperson mehr - das übernahm Thomas nun.
Drei Jahre und acht Monate später Martin, ungefähr im gleichen Abstand Thomas. Als ich vorgestern mit meiner Tante darüber sprach, meinte sie: "Deine Mutter hätte den Tod der Jungen ohnehin nicht überlebt." So hart das klingt, sie hat Recht. Insofern starben sie - viel zu früh - in der "richtigen" Reihenfolge.
Trotzdem: es ist, als ob es gestern gewesen wäre, dass sie alle lebendig waren, und sie sind es immer noch in meinen Gedanken.
Morgen werde ich nicht an ihrem Grab sein. Aber wahrscheinlich den ganzen Tag in Gedanken bei ihr. Es wird ein schlimmer Tag.
Ich war im Kino, als es passiert sein muss. Mit zwei Kolleginnen sah ich mir "Was Frauen wollen" an. Seitdem kann ich Mel Gibson nicht mehr sehen. Übrigens war meine Schwester zeitgleich im selben Film - was wir damals noch nicht wußten. Es gibt merkwürdige Zufälle.
Erst zwei Tage später, am 8. März habe ich von ihrem Tod erfahren. Mein Vater - manchmal sensibel wie ein Holzhammer - sprach mir auf den AB und informierte mich über ihren Tod. Es war irgendwo gegen 17.30 Uhr. Das war bis dahin der größte Schock meines Lebens. Wir haben uns damals nicht gut verstanden, lange Zeit nicht miteinander gesprochen. Ich habe ihr so viel übel genommen - sicher auch zu Recht, darum geht es auch nicht. Aber ihr Tod war das schlimmste für mich. Und niemals mehr die Chance, etwas aufzuarbeiten.
Ich habe es dann meinem Bruder Thomas gesagt, der auch nicht informiert war. Wir beide hatten uns so ein wenig auseinander gelebt, wenn man das von Geschwistern sagen konnte. Er lebte seines, ich mein Leben. Wir waren sehr verschieden, aber wir liebten uns immer und kamen uns durch Mamas Tod wieder näher. Für Martin, unseren Jüngsten, war es am schwersten. Er war schon ein paar Jahre im Heim und hatte keine direkte Bezugsperson mehr - das übernahm Thomas nun.
Drei Jahre und acht Monate später Martin, ungefähr im gleichen Abstand Thomas. Als ich vorgestern mit meiner Tante darüber sprach, meinte sie: "Deine Mutter hätte den Tod der Jungen ohnehin nicht überlebt." So hart das klingt, sie hat Recht. Insofern starben sie - viel zu früh - in der "richtigen" Reihenfolge.
Trotzdem: es ist, als ob es gestern gewesen wäre, dass sie alle lebendig waren, und sie sind es immer noch in meinen Gedanken.
Morgen werde ich nicht an ihrem Grab sein. Aber wahrscheinlich den ganzen Tag in Gedanken bei ihr. Es wird ein schlimmer Tag.
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