Viele bekannte Gesichter sind in den letzten Jahren von uns gegangen. Was mich sehr erschüttert hat, war der Tod von Udo Jürgens, vor allem deshalb, weil ich genau einen Monat zuvor auf einem seiner letzten Konzerte war. Udo Jürgens hatte natürlich ein schönes Alter erreicht - und sicher auch einen Tod, der ihn nicht lange leiden ließ, auch wenn wir das nicht einschätzen können, trotzdem hinterläßt er nicht nur für seine Angehörigen eine Lücke.
Dann am Donnerstag Leonard Nimoy, "Mr. Spock". Für mich als Star-Trek-Fan ebenfalls ein großer Verlust. Er starb an der gleichen Krankheit wie mein Vater. Er war 83, in diesem Alter "darf" man sterben, aber er wird von so vielen Menschen betrauert, dass man nur zu dem Schluss kommen kann: es war zu früh.
Heute starb Wolfram Wuttke, mein Jahrgang, ein Fußballer, der als unbequem, unverschämt und trotzdem begnadet galt (so ist es ja oft). Er nannte Jupp Heynckes "Osram". 53 ist eindeutig zu früh.
Und auch du, mein lieber Jörg, ein guter Online-Freund, der einer der ersten Mitglieder in meiner alten Yahoo-Group und später natürlich auch Mitglied in meinem TV-Nostalgie-Forum war, bist in dieser Woche von uns gegangen. Mit 49. Ich habe dich immer als lebensfroh wahrgenommen, aber wie so oft - wie's da drin aussieht, geht niemand' was an. Es war wohl alles zuviel für dich. Heute haben über 100 Leute ihr Beileid auf deiner Facebook-Pinnwand bekundet, und jeder betonte, wie schön es war, mit dir befreundet gewesen zu sein. Leider konnte dir trotzdem niemand bei dem größten Problem helfen. Das ist so traurig, aber ich bin froh, dass so viele an dich denken. Wie sagt man so schön, tot ist man erst, wenn niemand mehr an einen denkt. Das wird bei dir wohl lange noch nicht der Fall sein. Wir kannten uns nicht im realen Leben, aber seitdem ich online bin, haben wir Kontakt. Du warst einer meiner langjährigsten Kontakte im Internet. Und du hattest immer einen guten Ratschlag, warst immer nett und freundlich. Unsere Interessen drifteten weit auseinander, aber das war egal. Ruhe in Frieden, Jörg. Ich denke an dich.
Sonntag, 1. März 2015
Dienstag, 14. Februar 2012
Private Nostalgie - vorbei ...
... sie sind alle weg, die Leute, die mir in meiner Kindheit etwas bedeuteten. Mit meinem Vater starb vor knapp zwei Wochen der letzte aus dieser Gruppe. Natürlich werde ich mich weiterhin an früher erinnern, mit Wehmut, mit Liebe und manchmal auch mit Zorn. Aber leider ist niemand mehr da, mit dem man darüber reden kann. Der weiß, was gemeint ist. Der einem auch mal einen Stups in die andere Richtung geben kann und sagt: "Moment mal, so war das damals nicht ...". Und wie immer, wenn jemand stirbt, bleiben offene Fragen zurück, Fragen, die nur der Verstorbene beantworten kann.
Am meisten aber überwiegt das Gefühl, auch wenn es objektiv nicht richtig ist, dass man plötzlich ganz allein ist. Ich bin ja kein Kind mehr, und in meinem Alter sterben nun mal Eltern so ganz langsam.
Ich denke, trotz aller Zweifel, dass mein Vater bis zuletzt an eine Art Genesung glaubte, dazu habe ich einfach zuviele Selbstheilungs-, Geistheilungs-, Wunsch- und Hoffnungsbücher bei ihm gefunden. Das liest niemand, der nicht dran glaubt. Eine Ahnung, dass es zu Ende gehen könnte, war zwar vorhanden, aber grundsätzlich war er hoffnungsvoll. Auch das konstante Verweigern von Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht beweist das.
Letzten Endes musste er sich seiner Krankheit geschlagen geben. Hätte er nicht weiter Kette geraucht, wäre sein Leben vielleicht verlängert worden. Dieses Risiko ist er voll eingegangen.
Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen, in einem anderen Leben, einer anderen Dimension - irgendwann, nicht so bald, frühestens in 35, 40 Jahren. Er glaubte daran, und wer kann sich schon komplett von diesem Glauben ausnehmen? Irgendetwas muss doch bleiben - und das Glück, das einem in dem einen Leben versagt blieb, kommt vielleicht im nächsten. Ich wünsche es dir so sehr, Papa!
Am meisten aber überwiegt das Gefühl, auch wenn es objektiv nicht richtig ist, dass man plötzlich ganz allein ist. Ich bin ja kein Kind mehr, und in meinem Alter sterben nun mal Eltern so ganz langsam.
Ich denke, trotz aller Zweifel, dass mein Vater bis zuletzt an eine Art Genesung glaubte, dazu habe ich einfach zuviele Selbstheilungs-, Geistheilungs-, Wunsch- und Hoffnungsbücher bei ihm gefunden. Das liest niemand, der nicht dran glaubt. Eine Ahnung, dass es zu Ende gehen könnte, war zwar vorhanden, aber grundsätzlich war er hoffnungsvoll. Auch das konstante Verweigern von Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht beweist das.
Letzten Endes musste er sich seiner Krankheit geschlagen geben. Hätte er nicht weiter Kette geraucht, wäre sein Leben vielleicht verlängert worden. Dieses Risiko ist er voll eingegangen.
Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen, in einem anderen Leben, einer anderen Dimension - irgendwann, nicht so bald, frühestens in 35, 40 Jahren. Er glaubte daran, und wer kann sich schon komplett von diesem Glauben ausnehmen? Irgendetwas muss doch bleiben - und das Glück, das einem in dem einen Leben versagt blieb, kommt vielleicht im nächsten. Ich wünsche es dir so sehr, Papa!
Freitag, 29. Juli 2011
Von Schlagersängern, Weggefährten und kleinen Prinzen
Roy Black ist mittlerweile fast 20 Jahre tot – unglaublich. Wie liebte ich seine samtige Stimme, auch wenn sein „Ganz in Weiß“ fast unerträglich kitschig war. Aber welch ein Klassiker das doch geworden ist, auf jeder Hochzeit wird es gespielt. Roy Black soll ja Zeit seines Lebens mit seinen Liedern sehr unglücklich gewesen sein – ob’s stimmt, wer weiß das schon. Angeblich habe ihn das depressiv und alkoholsüchtig gemacht. Ich glaube das nicht wirklich – aber, was ich glaube, ist auch nicht so wichtig. Es geht mir auch nicht um Roy Black. Ich weiß noch, dass meine Kollegin, die damals in meinem heutigen Alter war, ins Büro kam und sagte: „Stellen Sie sich vor, der Roy Black ist tot.“ Ja, das war schon ein Schock, aber eine Träne war es mir dann doch nicht wert.
Dann Rex Gildo, der Mann, der sein wahres Ich jahrzehntelang vor seinen Fans verbergen musste, bzw. glaubte, es zu müssen. Sehr tragisch, sein Tod, aber irgendwie hatte er auch etwas Surreales, und so habe ich auch nicht geweint.
Freddy Breck. Starb auch viel zu früh. Den mochte ich eigentlich nicht sonderlich, meine Mutter liebte ihn! Als er starb, schluckte ich dann doch einmal. Es war zu früh.
Dann Erik Silvester. Okay, der hatte ein paar Hits, aber keine wirklich großen. Klar, man kannte ihn. Tat mir auch sehr leid.
Und jetzt er – der Junge mit der Mundharmonika. Bernd Clüver, der Mann mit der ewig gleichen Frisur, immer eine Schönheitskönigin an seiner Seite, langweilige Rhythmen, schwülstige Texte. Er war einer der Schlagerfiguren der 70er, die ich gar nicht gern hörte. Er wirkte so brav und so langweilig, aber er schien ein Faible für schöne Frauen zu haben. Er kam bei mir direkt in die Schublade „Oberflächlich“.
Es war ruhig um ihn geworden (na ja, um welchen Schlagersänger eigentlich nicht). Älter. Immer noch die gleiche Frisur, etwas dicker. Die letzte Miss, die er geheiratet hat, blieb ihm treu, die beiden waren lange verheiratet. Vielleicht doch nicht oberflächlich? Mit schönen Menschen umgibt sich ja grundsätzlich jeder gern. Er lebte auf Mallorca – auch so ein Statussymbol deutscher Stars. Wer was auf sich hält, lebt auf Mallorca. Andererseits: wer es sich leisten kann, warum nicht?
Am 28.07.2011 die Todesmeldung – mit 63, ganz plötzlich, ein Unfall. Und mir traten die Tränen in die Augen (was bei keinem der anderen vorgenannten passiert ist). Offensichtlich stand er mir näher als die anderen. Oder doch nicht? Vielleicht war er normaler als andere – ja, ganz sicher sogar. Oder mochte ich ihn vielleicht doch mehr, als ich glaubte? Hm. Ich glaube ganz einfach, dass er ein Weggefährte von mir war, ohne ihm jemals begegnet zu sein. Er war ein Held meiner Jugend, ohne wirklich einer zu sein. Ich habe unzählige Artikel in der Bravo über ihn gelesen, habe seine vielen Romanzen verfolgt und ihn irgendwie „angenommen“, ohne es zu wissen, ohne es zu wollen.
Roy Black und Freddy Breck waren eher etwas für meine Mutter. Rex Gildo war zu schräg, und obwohl man es nicht wusste, ahnte man, dass er anders war als die anderen und ein Leben zur Schau stellte, das er nicht führte. Und Erik Silvester war zu unauffällig. Bernd Clüver aber war ein Weggefährte. Irgendwann hatten sich zwar unsere Wege getrennt, aber die Erinnerung blieb. Tja, nun begrabe ich ihn an der letzten Weggabelung, irgendwo in den 80er Jahren, als ich ihn das letzte Mal wirklich zur Kenntnis nahm. Und hoffe, dass das Tor zum Garten der Träume ganz weit auf ist für ihn, und der kleine Prinz sich mit Mundharmonikaklängen ein Stück von seinem Himmel zurückholen kann. Ruhe in Frieden.
Dann Rex Gildo, der Mann, der sein wahres Ich jahrzehntelang vor seinen Fans verbergen musste, bzw. glaubte, es zu müssen. Sehr tragisch, sein Tod, aber irgendwie hatte er auch etwas Surreales, und so habe ich auch nicht geweint.
Freddy Breck. Starb auch viel zu früh. Den mochte ich eigentlich nicht sonderlich, meine Mutter liebte ihn! Als er starb, schluckte ich dann doch einmal. Es war zu früh.
Dann Erik Silvester. Okay, der hatte ein paar Hits, aber keine wirklich großen. Klar, man kannte ihn. Tat mir auch sehr leid.
Und jetzt er – der Junge mit der Mundharmonika. Bernd Clüver, der Mann mit der ewig gleichen Frisur, immer eine Schönheitskönigin an seiner Seite, langweilige Rhythmen, schwülstige Texte. Er war einer der Schlagerfiguren der 70er, die ich gar nicht gern hörte. Er wirkte so brav und so langweilig, aber er schien ein Faible für schöne Frauen zu haben. Er kam bei mir direkt in die Schublade „Oberflächlich“.
Es war ruhig um ihn geworden (na ja, um welchen Schlagersänger eigentlich nicht). Älter. Immer noch die gleiche Frisur, etwas dicker. Die letzte Miss, die er geheiratet hat, blieb ihm treu, die beiden waren lange verheiratet. Vielleicht doch nicht oberflächlich? Mit schönen Menschen umgibt sich ja grundsätzlich jeder gern. Er lebte auf Mallorca – auch so ein Statussymbol deutscher Stars. Wer was auf sich hält, lebt auf Mallorca. Andererseits: wer es sich leisten kann, warum nicht?
Am 28.07.2011 die Todesmeldung – mit 63, ganz plötzlich, ein Unfall. Und mir traten die Tränen in die Augen (was bei keinem der anderen vorgenannten passiert ist). Offensichtlich stand er mir näher als die anderen. Oder doch nicht? Vielleicht war er normaler als andere – ja, ganz sicher sogar. Oder mochte ich ihn vielleicht doch mehr, als ich glaubte? Hm. Ich glaube ganz einfach, dass er ein Weggefährte von mir war, ohne ihm jemals begegnet zu sein. Er war ein Held meiner Jugend, ohne wirklich einer zu sein. Ich habe unzählige Artikel in der Bravo über ihn gelesen, habe seine vielen Romanzen verfolgt und ihn irgendwie „angenommen“, ohne es zu wissen, ohne es zu wollen.
Roy Black und Freddy Breck waren eher etwas für meine Mutter. Rex Gildo war zu schräg, und obwohl man es nicht wusste, ahnte man, dass er anders war als die anderen und ein Leben zur Schau stellte, das er nicht führte. Und Erik Silvester war zu unauffällig. Bernd Clüver aber war ein Weggefährte. Irgendwann hatten sich zwar unsere Wege getrennt, aber die Erinnerung blieb. Tja, nun begrabe ich ihn an der letzten Weggabelung, irgendwo in den 80er Jahren, als ich ihn das letzte Mal wirklich zur Kenntnis nahm. Und hoffe, dass das Tor zum Garten der Träume ganz weit auf ist für ihn, und der kleine Prinz sich mit Mundharmonikaklängen ein Stück von seinem Himmel zurückholen kann. Ruhe in Frieden.
Montag, 4. April 2011
Mein Vater ...
... kam in meinem Leben immer etwas zu kurz. Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich 5 Jahre alt war, und er war der "Böse". Ein Mann, der meiner Mutter wehgetan hat und sich nicht um mich und meine Schwester kümmerte. Obwohl er eigentlich immer sehr lieb zu mir war.
Erst später erkannte ich, dass die Dinge oftmals nichts so sind, wie sie scheinen. Und mein Vater keinesfalls der Böse war, im Gegenteil.
Richtig kennen gelernt haben wir uns nie. Dazu lebten wir zu weit entfernt. Er zog damals wieder nach Hause zu seinen Eltern und blieb bis heute in seinem Elternhaus. Also weit über 40 Jahre. Das Leben hat ihm nichts geschenkt, trotzdem wirkte er meist heiter, erst im Alter kam eine Depression. Kein Wunder - er war immer allein. Früher rief er mich regelmäßig an, vor etwa fünf Jahren hörte das komplett auf. Ab da meldete ich mich immer mal wieder bei ihm, oft vergingen Wochen.
Vor über zwei Jahren wurde er am Herzen operiert, sein altes Leiden, er bekam eine neue Herzklappe. Alles verlief offenbar gut. Oder doch nicht ... Seit etwa eineinhalb Jahren ist mein Vater Stammgast im Krankenhaus. Seit ein paar Monaten kommt er alle paar Wochen dorthin. So richtig konnte mir niemand sagen, was er eigentlich hat. Und so richtig ernst habe ich das auch nie genommen.
Seine Finanzen hatte er nicht im Griff. Ständig ein überzogenes Konto, Mahnungen, Gewinnspiele. Ich solle doch bitte kommen und ihm helfen, diese zu ordnen. Ja, ich komme - wenn ich Urlaub habe, wenn mein Arm geheilt ist, wenn der Winter vorbei ist.
Ostern sollte es soweit sein. Dann sollte er eventuell auch ins Heim kommen, die Nachbarn sagten schon, dass er nicht mehr allein bleiben könne. Sauerstoffpatient war er mittlerweile. Am Telefon konnte man ihn kaum noch verstehen, nach ein paar Metern war er jedesmal so erschöpft, dass er am liebsten geweint hätte. Ich habe es immer noch nicht verstanden.
Gestern rief er an, meinte, er brauche sofort Hilfe. Seine Nachbarn schafften ihn ins Krankenhaus. Ich dachte, okay, vielleicht behalten sie ihn diesmal etwas länger. Dann würden wir uns Ostern etwas einfallen lassen. Ich schrieb zwei Pflegeheime an.
Heute hat man meinen Vater ins künstliche Koma versetzt, er wird beatmet. Er liegt auf der Intensivstation, die Lage sei äußerst kritisch. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es wieder werde, aber er würde vermutlich ein Pflegefall sein. Ob er das wolle? Wir sollten uns Ende der Woche darüber unterhalten, was er wohl gewollt hätte. Und es wäre möglich, dass er es nicht schafft.
Ich fasse das alles nicht. Und ich werde diese Woche zu ihm fahren - aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich hoffe, ich kann mich - sollte es tatsächlich zum schlimmsten kommen - von ihm verabschieden und ihm ein letztes gutes Gefühl geben, dass er nicht allein ist und ich ihn lieb habe. Aber ich hoffe trotzdem, dass er es schafft.
Das ist ein verdammt trauriger Blog. Nichts mit TV. Das ist das traurige Leben. Mein Vater hatte etwas besseres verdient.
Erst später erkannte ich, dass die Dinge oftmals nichts so sind, wie sie scheinen. Und mein Vater keinesfalls der Böse war, im Gegenteil.
Richtig kennen gelernt haben wir uns nie. Dazu lebten wir zu weit entfernt. Er zog damals wieder nach Hause zu seinen Eltern und blieb bis heute in seinem Elternhaus. Also weit über 40 Jahre. Das Leben hat ihm nichts geschenkt, trotzdem wirkte er meist heiter, erst im Alter kam eine Depression. Kein Wunder - er war immer allein. Früher rief er mich regelmäßig an, vor etwa fünf Jahren hörte das komplett auf. Ab da meldete ich mich immer mal wieder bei ihm, oft vergingen Wochen.
Vor über zwei Jahren wurde er am Herzen operiert, sein altes Leiden, er bekam eine neue Herzklappe. Alles verlief offenbar gut. Oder doch nicht ... Seit etwa eineinhalb Jahren ist mein Vater Stammgast im Krankenhaus. Seit ein paar Monaten kommt er alle paar Wochen dorthin. So richtig konnte mir niemand sagen, was er eigentlich hat. Und so richtig ernst habe ich das auch nie genommen.
Seine Finanzen hatte er nicht im Griff. Ständig ein überzogenes Konto, Mahnungen, Gewinnspiele. Ich solle doch bitte kommen und ihm helfen, diese zu ordnen. Ja, ich komme - wenn ich Urlaub habe, wenn mein Arm geheilt ist, wenn der Winter vorbei ist.
Ostern sollte es soweit sein. Dann sollte er eventuell auch ins Heim kommen, die Nachbarn sagten schon, dass er nicht mehr allein bleiben könne. Sauerstoffpatient war er mittlerweile. Am Telefon konnte man ihn kaum noch verstehen, nach ein paar Metern war er jedesmal so erschöpft, dass er am liebsten geweint hätte. Ich habe es immer noch nicht verstanden.
Gestern rief er an, meinte, er brauche sofort Hilfe. Seine Nachbarn schafften ihn ins Krankenhaus. Ich dachte, okay, vielleicht behalten sie ihn diesmal etwas länger. Dann würden wir uns Ostern etwas einfallen lassen. Ich schrieb zwei Pflegeheime an.
Heute hat man meinen Vater ins künstliche Koma versetzt, er wird beatmet. Er liegt auf der Intensivstation, die Lage sei äußerst kritisch. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es wieder werde, aber er würde vermutlich ein Pflegefall sein. Ob er das wolle? Wir sollten uns Ende der Woche darüber unterhalten, was er wohl gewollt hätte. Und es wäre möglich, dass er es nicht schafft.
Ich fasse das alles nicht. Und ich werde diese Woche zu ihm fahren - aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich hoffe, ich kann mich - sollte es tatsächlich zum schlimmsten kommen - von ihm verabschieden und ihm ein letztes gutes Gefühl geben, dass er nicht allein ist und ich ihn lieb habe. Aber ich hoffe trotzdem, dass er es schafft.
Das ist ein verdammt trauriger Blog. Nichts mit TV. Das ist das traurige Leben. Mein Vater hatte etwas besseres verdient.
Samstag, 5. März 2011
10 Jahre
Heute vor 10 Jahren lebte meine Mutter noch. Am 6. März ist sie gestorben, und noch heute frage ich mich, wie. Wir haben es nie erfahren. Ihr Freund ist keine verläßliche Informationsquelle gewesen, und wir haben uns immer gefragt, ob er ihr überhaupt geholfen hat, als sie starb. Thomas wollte sie immer obduzieren lassen, aber was hätte es gebracht? Trotzdem denke ich manchmal, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wir hätten dann Bescheid gewußt. Denn dass ihr Freund ihr nicht gut getan hat, weiß ich heute, darüber hinaus hat er uns irgendwo noch um "unser Erbe" (so klein es auch gewesen wäre, ohnehin nur Geschirr oder Möbel) gebracht hat. Nichts ist geblieben, nicht mal eine Kaffeetasse. Nur Fotos.
Ich war im Kino, als es passiert sein muss. Mit zwei Kolleginnen sah ich mir "Was Frauen wollen" an. Seitdem kann ich Mel Gibson nicht mehr sehen. Übrigens war meine Schwester zeitgleich im selben Film - was wir damals noch nicht wußten. Es gibt merkwürdige Zufälle.
Erst zwei Tage später, am 8. März habe ich von ihrem Tod erfahren. Mein Vater - manchmal sensibel wie ein Holzhammer - sprach mir auf den AB und informierte mich über ihren Tod. Es war irgendwo gegen 17.30 Uhr. Das war bis dahin der größte Schock meines Lebens. Wir haben uns damals nicht gut verstanden, lange Zeit nicht miteinander gesprochen. Ich habe ihr so viel übel genommen - sicher auch zu Recht, darum geht es auch nicht. Aber ihr Tod war das schlimmste für mich. Und niemals mehr die Chance, etwas aufzuarbeiten.
Ich habe es dann meinem Bruder Thomas gesagt, der auch nicht informiert war. Wir beide hatten uns so ein wenig auseinander gelebt, wenn man das von Geschwistern sagen konnte. Er lebte seines, ich mein Leben. Wir waren sehr verschieden, aber wir liebten uns immer und kamen uns durch Mamas Tod wieder näher. Für Martin, unseren Jüngsten, war es am schwersten. Er war schon ein paar Jahre im Heim und hatte keine direkte Bezugsperson mehr - das übernahm Thomas nun.
Drei Jahre und acht Monate später Martin, ungefähr im gleichen Abstand Thomas. Als ich vorgestern mit meiner Tante darüber sprach, meinte sie: "Deine Mutter hätte den Tod der Jungen ohnehin nicht überlebt." So hart das klingt, sie hat Recht. Insofern starben sie - viel zu früh - in der "richtigen" Reihenfolge.
Trotzdem: es ist, als ob es gestern gewesen wäre, dass sie alle lebendig waren, und sie sind es immer noch in meinen Gedanken.
Morgen werde ich nicht an ihrem Grab sein. Aber wahrscheinlich den ganzen Tag in Gedanken bei ihr. Es wird ein schlimmer Tag.
Ich war im Kino, als es passiert sein muss. Mit zwei Kolleginnen sah ich mir "Was Frauen wollen" an. Seitdem kann ich Mel Gibson nicht mehr sehen. Übrigens war meine Schwester zeitgleich im selben Film - was wir damals noch nicht wußten. Es gibt merkwürdige Zufälle.
Erst zwei Tage später, am 8. März habe ich von ihrem Tod erfahren. Mein Vater - manchmal sensibel wie ein Holzhammer - sprach mir auf den AB und informierte mich über ihren Tod. Es war irgendwo gegen 17.30 Uhr. Das war bis dahin der größte Schock meines Lebens. Wir haben uns damals nicht gut verstanden, lange Zeit nicht miteinander gesprochen. Ich habe ihr so viel übel genommen - sicher auch zu Recht, darum geht es auch nicht. Aber ihr Tod war das schlimmste für mich. Und niemals mehr die Chance, etwas aufzuarbeiten.
Ich habe es dann meinem Bruder Thomas gesagt, der auch nicht informiert war. Wir beide hatten uns so ein wenig auseinander gelebt, wenn man das von Geschwistern sagen konnte. Er lebte seines, ich mein Leben. Wir waren sehr verschieden, aber wir liebten uns immer und kamen uns durch Mamas Tod wieder näher. Für Martin, unseren Jüngsten, war es am schwersten. Er war schon ein paar Jahre im Heim und hatte keine direkte Bezugsperson mehr - das übernahm Thomas nun.
Drei Jahre und acht Monate später Martin, ungefähr im gleichen Abstand Thomas. Als ich vorgestern mit meiner Tante darüber sprach, meinte sie: "Deine Mutter hätte den Tod der Jungen ohnehin nicht überlebt." So hart das klingt, sie hat Recht. Insofern starben sie - viel zu früh - in der "richtigen" Reihenfolge.
Trotzdem: es ist, als ob es gestern gewesen wäre, dass sie alle lebendig waren, und sie sind es immer noch in meinen Gedanken.
Morgen werde ich nicht an ihrem Grab sein. Aber wahrscheinlich den ganzen Tag in Gedanken bei ihr. Es wird ein schlimmer Tag.
Freitag, 24. Dezember 2010
Weihnachten
Auch wenn ich Weihnachten nicht mag (und nein, ich mag es wirklich nicht und bin auch ausgesprochen gern allein an diesen Tagen, auch wenn es keiner glaubt - es ist so!!!), so sind es doch Tage, an denen man über die Familie nachdenkt bzw. mit dieser Kontakt hat.
Ich habe gerade ein paar Unterlagen abgeheftet, dabei fiel mir - nach über sechs Jahren - mal wieder die Todesbescheinigung von Martin in die Hände, und prompt stand ich im Wasser. Mein kleiner Bruder fiel einfach um, niemand aus der Familie war bei ihm. Angeblich hatte er seine letzte Zigarette noch weggelegt, meinte, dass er diese jetzt nicht mehr rauchen müsse, dann fiel er um. Ob es stimmt oder nur Legende ist - wir werden es nie erfahren.
Soviele Unterlagen wären noch abzuheften, soviele Fotos noch anzusehen, ich kann es nicht. Allein der Obduktionsbericht von Thomas bereitet mir heute noch solche Schmerzen, dass ich die ganze Nacht heulen muss. Und ich denke immer, wir hätten viel mehr Zeit miteinander verbringen sollen. Manchmal genügt Liebe allein einfach nicht.
Und jetzt muss ich mich ganz schnell ablenken, sonst ist es eben doch kein normaler Tag für mich.
Ich habe gerade ein paar Unterlagen abgeheftet, dabei fiel mir - nach über sechs Jahren - mal wieder die Todesbescheinigung von Martin in die Hände, und prompt stand ich im Wasser. Mein kleiner Bruder fiel einfach um, niemand aus der Familie war bei ihm. Angeblich hatte er seine letzte Zigarette noch weggelegt, meinte, dass er diese jetzt nicht mehr rauchen müsse, dann fiel er um. Ob es stimmt oder nur Legende ist - wir werden es nie erfahren.
Soviele Unterlagen wären noch abzuheften, soviele Fotos noch anzusehen, ich kann es nicht. Allein der Obduktionsbericht von Thomas bereitet mir heute noch solche Schmerzen, dass ich die ganze Nacht heulen muss. Und ich denke immer, wir hätten viel mehr Zeit miteinander verbringen sollen. Manchmal genügt Liebe allein einfach nicht.
Und jetzt muss ich mich ganz schnell ablenken, sonst ist es eben doch kein normaler Tag für mich.
Freitag, 19. November 2010
Persönliche Nostalgie der traurigeren Art
Kennt Ihr das auch, dass Euch Menschen ziemlich lange begleiten? Sie stehen Euch nicht wirklich nahe, es ist vielleicht ein Kollege, ein Abteilungsleiter, jemand, der "immer" da war.
Gestern rief mich eine ehemalige Kollegin aus der Nähe von Regensburg an, um mir zu sagen, dass ein ehemaliger Vorgesetzter von mir vorgestern verstorben ist. Er wurde nur 58. Ich kam nach Hause, ziemlich angesäuert, weil ich mit meinem Auto einen Bordstein gerammt habe und habe das dann sofort vergessen. Wer regt sich über Bordsteine auf, wenn Menschen sterben, die einem dann doch irgendwie nahestanden, auch wenn man es vorher nicht wußte.
1984 lernte ich diesen Mann kennen, und bis zu meinem Ausscheiden aus dem Unternehmen 2002 kannte ich ihn als jemanden, dem nichts zuviel wurde, der einen immer angehört hat, ohne jedoch direkt grundgütig zu sein, und dessen Leben die Firma war. Was haben wir uns immer über (und mit ihm) amüsiert. Ein Typ, der auf Sitzungen eher den Eindruck machte, dass er schlief, aber nachher - im Protokoll - stand jedes Wort, das gefallen war. Als Betriebsrätin führte ich mit ihm Gespräche, wo ich ihn anschließend am liebsten geschüttelt hätte - na ja, Chefs eben. Wenn ich Urlaubsvertretung im Sekretariat machte, hatte ich einen Horror vor seinen Diktaten, weil er so schnell sprach (und dabei auch noch Worte verschluckte), dass sogar er beim Abhören seines eigenen Bandes mal sagte: "Keine Ahnung, was ich gesagt habe. Lassen Sie es einfach weg." Er war jemand, der auch mal sein Fähnchen nach dem Wind drehte - einmal ja, einmal nein, dann wieder ja. Und trotzdem mochte man ihn - irgendwie. Weil er ein wenig dicker war, nannten wir ihn auch wegen seiner Gemütlichkeit gerne "Balou". Seine Kollegen nannten ihn "Puma", weil er gerne bestimmte Teile aus der Kollektion eines Herzogenauracher Sportherstellers trug, die ihm eigentlich nicht wirklich standen. Viele nahmen ihn wahr, einige nicht immer ernst, was dazu führte, dass er auch oft einmal übergangen wurde. Ich glaube, im tiefsten Innern war er ein Arbeiter, kein Manager - was ja überhaupt nichts schlimmes ist. Wenn man ein Problem hatte und zu ihm ging, war er immer zu einem Gespräch bereit und bemüht, eine Lösung zu finden. Wenn er auch keine fand, er hatte immer Zeit.
All das ging mir gestern abend noch durch den Kopf, ein Anlass auch, mir mal die Bilder von ehemaligen Kollegen/Vorgesetzten auf der Webseite meines ehemaligen Arbeitgebers anzusehen, und festzustellen: "Sie sind älter geworden."
Ein anderer Kollege soll schwer krebskrank sein, noch ein anderer hat auch mit diversen Krankheiten zu kämpfen. Das alles ist lange her, weit weg - und doch: manchmal wünsche ich mir die alten Zeiten mit allem Ärger und doch viel Freude zurück. Zeiten, in denen man noch abends gemeinsam etwas trinken ging und nicht vor dem PC gesessen hat. Als man glaubte, alles dauert ewig und wir haben noch so viel Zeit. Und jetzt höre ich auf, sonst heule ich gleich los.
Mein lieber Herr P., ich hoffe, Sie haben Ihre Ruhe gefunden an einem Ort, wo es keine Schmerzen und keinen Ärger gibt. Ein wenig Arbeit sollte man Ihnen geben, denn lange halten Sie es doch nicht ohne aus. Ich bin sicher, Sie schauen jetzt - wie damals im Theaterstück, das ich fürs Betriebsfest geschrieben habe - auf die lieben Kollegen herunter und trinken dort mit Herrn K., Herrn K. und Herrn K. (tja, sie fingen wirklich alle mit diesem Buchstaben an), die vor Ihnen gegangen sind und mit denen Sie sich so gut verstanden haben, ein Weißbier. Ruhen Sie in Frieden.
Gestern rief mich eine ehemalige Kollegin aus der Nähe von Regensburg an, um mir zu sagen, dass ein ehemaliger Vorgesetzter von mir vorgestern verstorben ist. Er wurde nur 58. Ich kam nach Hause, ziemlich angesäuert, weil ich mit meinem Auto einen Bordstein gerammt habe und habe das dann sofort vergessen. Wer regt sich über Bordsteine auf, wenn Menschen sterben, die einem dann doch irgendwie nahestanden, auch wenn man es vorher nicht wußte.
1984 lernte ich diesen Mann kennen, und bis zu meinem Ausscheiden aus dem Unternehmen 2002 kannte ich ihn als jemanden, dem nichts zuviel wurde, der einen immer angehört hat, ohne jedoch direkt grundgütig zu sein, und dessen Leben die Firma war. Was haben wir uns immer über (und mit ihm) amüsiert. Ein Typ, der auf Sitzungen eher den Eindruck machte, dass er schlief, aber nachher - im Protokoll - stand jedes Wort, das gefallen war. Als Betriebsrätin führte ich mit ihm Gespräche, wo ich ihn anschließend am liebsten geschüttelt hätte - na ja, Chefs eben. Wenn ich Urlaubsvertretung im Sekretariat machte, hatte ich einen Horror vor seinen Diktaten, weil er so schnell sprach (und dabei auch noch Worte verschluckte), dass sogar er beim Abhören seines eigenen Bandes mal sagte: "Keine Ahnung, was ich gesagt habe. Lassen Sie es einfach weg." Er war jemand, der auch mal sein Fähnchen nach dem Wind drehte - einmal ja, einmal nein, dann wieder ja. Und trotzdem mochte man ihn - irgendwie. Weil er ein wenig dicker war, nannten wir ihn auch wegen seiner Gemütlichkeit gerne "Balou". Seine Kollegen nannten ihn "Puma", weil er gerne bestimmte Teile aus der Kollektion eines Herzogenauracher Sportherstellers trug, die ihm eigentlich nicht wirklich standen. Viele nahmen ihn wahr, einige nicht immer ernst, was dazu führte, dass er auch oft einmal übergangen wurde. Ich glaube, im tiefsten Innern war er ein Arbeiter, kein Manager - was ja überhaupt nichts schlimmes ist. Wenn man ein Problem hatte und zu ihm ging, war er immer zu einem Gespräch bereit und bemüht, eine Lösung zu finden. Wenn er auch keine fand, er hatte immer Zeit.
All das ging mir gestern abend noch durch den Kopf, ein Anlass auch, mir mal die Bilder von ehemaligen Kollegen/Vorgesetzten auf der Webseite meines ehemaligen Arbeitgebers anzusehen, und festzustellen: "Sie sind älter geworden."
Ein anderer Kollege soll schwer krebskrank sein, noch ein anderer hat auch mit diversen Krankheiten zu kämpfen. Das alles ist lange her, weit weg - und doch: manchmal wünsche ich mir die alten Zeiten mit allem Ärger und doch viel Freude zurück. Zeiten, in denen man noch abends gemeinsam etwas trinken ging und nicht vor dem PC gesessen hat. Als man glaubte, alles dauert ewig und wir haben noch so viel Zeit. Und jetzt höre ich auf, sonst heule ich gleich los.
Mein lieber Herr P., ich hoffe, Sie haben Ihre Ruhe gefunden an einem Ort, wo es keine Schmerzen und keinen Ärger gibt. Ein wenig Arbeit sollte man Ihnen geben, denn lange halten Sie es doch nicht ohne aus. Ich bin sicher, Sie schauen jetzt - wie damals im Theaterstück, das ich fürs Betriebsfest geschrieben habe - auf die lieben Kollegen herunter und trinken dort mit Herrn K., Herrn K. und Herrn K. (tja, sie fingen wirklich alle mit diesem Buchstaben an), die vor Ihnen gegangen sind und mit denen Sie sich so gut verstanden haben, ein Weißbier. Ruhen Sie in Frieden.
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