Mittwoch, 21. Oktober 2009

Erst mal sehen, was Quelle hat ...

Das war nicht nur ein Spruch bei uns zu Hause. Wir haben wirklich erst mal bei Quelle geguckt und haben stundenlang, tagelang, wochenlang überlegt, ob wir uns das leisten konnten. Meist haben wir in Raten bezahlt - nach der Scheidung meiner Mutter lebten wir zu viert von Sozialhilfe. Ich war ein Teenager, meine Brüder waren noch klein. Ich wollte mit Schulkameradinnen mithalten, die Jungs wuchsen wie verrückt und brauchten ständig neue Klamotten. Wenn wir nicht nur gebrauchte Sachen tragen wollten, haben wir bei Quelle bestellt. Nicht nur Kleidung, auch Möbel, Geschirr, Bettwäsche.

In dem kleinen Westerwaldort gab es wenig Geschäfte bzw. Auswahl. Quelle aber hatte alles. Und wenn wir abstotterten, wußte das keiner. Wir haben immer pünktlich bezahlt und blieben Quelle treu. Mein erster Fernseher war von Quelle, unsere Waschmaschine, der neue Herd.

Vor 13 Jahren kaufte ich mir mein Wohnzimmer bei Quelle - erst im letzten Jahr habe ich sie - gut erhalten - abgegeben. Der Laptop, auf dem ich schreibe, ist auch von Quelle. Der Deckenfluter neben mir, die Lampe im Bad. Und meine eigene Waschmaschine auch. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich doch noch oft bestellt. Es war so bequem, und hin wieder gab es wirklich gute Angebote.

Am sentimentalsten werde ich, wenn ich an den dicken Katalog aus den 70er oder 80er Jahren denke. Der goldene Katalog! Er war wirklich goldfarben, und Grete Schickedanz schrieb immer auf der ersten Seite etwas für ihre Kunden. Man konnte das Erscheinen des Katalogs kaum erwarten, und auch wenn Eigenmarken wie z. B. "Explorer" (Jeans) oder "Simone" (Unterwäsche)oder "Mars" (Fahrräder) verpönt waren, sah man sich doch die neue Mode an (und oft genug habe ich sie doch getragen, weil man sich teure Markenware nicht leisten konnte).

Als ich gestern hörte, dass Quelle aufgeben muss, hatte ich glatt ein Tränchen im Auge. Ein Stück Kindheit bzw. Jugend geht verloren, auch wenn der Zauber der alten Quelle längst nicht mehr da ist.

Heute wäre mein Bruder Martin 35 Jahre alt geworden, wenn er noch lebte. Auch er ist mit Quelle groß geworden.

Danke Quelle - auch im Namen meiner Mutter und meiner Brüder.

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